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Archive for Mai 2012

„Uhr bleibt steh’n, dann ist es schön, schön ist’s nicht, wenn Glas zerbricht.“ (S.132)

Was es mit diesem vielsagenden Satz auf sich hat, kann ich leider nicht verraten, ohne inhaltlich etwas vorwegzunehmen, aber er soll auch nur beispielhaft dazu dienen, um die Kraft der Worte von Michael Kunz‘ Schreibstil hervorzuheben. Empfohlen ist das philosophische Werk nämlich für Kinder ab 10 Jahren und trotzdem hat der Autor auch bei diesem jungen Publikum nicht an seinem schriftstellerischen Können gespart und mich mit seiner Leichtigkeit, in die er die verschiedenen Thesen verpackt, überrascht. Dabei wirkt „Das Geheimnis der goldenen Brücke“ aber zu keinem Zeitpunkt kindisch oder simpel, sondern überzeugt vielmehr durch einen Protagonisten, der selbst im Alter von sieben Jahren schon über eine ausgesprochen tiefe Weisheit verfügt und statt mit Raufbolden lieber seine Zeit in der Natur mit seinem Freund „Baum“ verbringt.

Er grübelt über Dinge nach, die manche Menschen ihr ganzes Leben lang nicht hinterfragen und verkörpert mit seinem unbändigen Wissensdurst und seiner zugleich sensiblen Seite, die sich vor der Einsamkeit fürchtet, die beiden Extreme seiner Eltern in sich.

Mit Peters Mutter bin ich im ersten Teil zwar nicht besonders warm geworden, weil sie mir in einigen Szenen zu überheblich war, doch der Grundgedanke hinter ihren Aktionen ist doch ungemein wichtig in unserer heutigen Gesellschaft, da sie mit ihrem Herz für das Wohl ihres Kindes kämpft und bei Problemen nicht einfach weg schaut.

Kunz‘ Roman ist ein Paradebeispiel für ein Buch, welches man liest und danach so schnell nicht mehr vergisst. Es greift natürlich die Frage nach dem Sinn des Lebens auf und ruft die Leser dazu auf, die wertvollen Momente zu genießen und für den Augenblick zu leben. Es klingt so einfach und ist doch wahnsinnig schwer, weil uns heutzutage der Drang nach Macht und Anerkennung täglich mehr erdrückt und wir aus diesem Kreislauf nicht ausbrechen können – es sei denn, wir werden auf eindrucksvolle Weise darauf aufmerksam gemacht.

Viele kleine Geschichten, wie zum Beispiel die des Schmetterlings Vanessa, welche trotz der Warnung ihrer Mutter den Todesstreifen überfliegen möchte, um die duftenden Blüten auf der anderen Seite zu kosten, wechseln sich mit Peters Kapiteln ab und sprechen einige moralische Themen an, deren Verständnis für uns alle notwendig ist und auf diese personifizierte Weise unser Mitgefühl ansprechen.

Der kleine Peter, dem die eher unscheinbare Schatulle seiner Mutter (ein Geschenk zu seinem Geburtstag) mehr bedeutet, als sonstiger technischer Schnickschnack und der bodenständig seinen Weg geht, ist ein prima Vorbild für die kleinen Leser und Eltern sollten unbedingt mit ihren Sprösslingen gemeinsam seine wunderbare Reise verfolgen. Es ist eine Reise, bei der selbstverständlich auch Stolpersteine die kindliche Unbeschwertheit stören, doch am Ende bleibt der Blick auf ein erfülltes Leben auf das man stolz sein kann und glücklich auf das vollbrachte sein kann.

Das Geheimnis eben jener goldenen Brücke geriet durch einen interessanten Mittelteil bei mir fast schon in Vergessenheit und wurden nur durch die kursiv gedruckten Passagen, die von einem ominösen „ES“ gesprochen werden und teilweise bedrohlich und dann wiederum aufmunternd klingen, wieder in Erinnerung gerufen. Bis zum Schluss bleibt der Urheber dieser Zeilen ungewiss und überrascht dann mit seiner wahrlich göttlichen Identität. 🙂

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„Ich bin vielmehr der Einzige, der die Gefahr erkennt. Diese Fahrräder sind Ungetüme aus Stahl und Blech, die die Sittlichkeit untergraben.“ (S.20)

Es ist kaum zu glauben, aber im Berlin des 19.Jahrhunderts war diese Ansicht noch normal und Fahrradfahrer kämpften um Recht und Ansehen, um ihren Sport legal auf der Straße wie z.B. Unter den Linden ausführen zu dürfen, wobei sie bei den angesehenen Bürgern der Stadt allerdings auf taube Ohren stießen.

Dr. Otto Sanftleben gehört den Anhängern der neuen Zweiradkultur an und ist gleichzeitig sehr bewandert auf dem Gebiet der Erforschung von Körpersprache, mit dem Ziel Lügen zu entlarven, und damit eine wahre Bereicherung für die Polizei. Diese hat es gerade mit einem skrupellosen Mörder zu tun, der seine weiblichen Opfer nicht nur kreuzigt, sondern auch noch verbrennt. Gleichzeitig sorgen verschiedene politisch motivierte Anschläge für einigen Trubel im Deutschen Kaiserreich; da ist ein kühler Kopf gefragt, um den Durchblick zu behalten. Als Otto aber die Zeugin Rieke trifft, verliert er sein Herz an die geheimnisvolle Revueschauspielerin – kann er trotzdem noch erfolgreich die Ermittlungen unterstützen? Und welche Geheimnisse bergen die sittsamen Bürger von Berlin hinter verschlossenen Türen?

Als Berlinerin war es für mich sehr interessant, einen kleinen Einblick in die Hauptstadt zur Kaiserzeit zu bekommen und das Cover sorgt in Verbindung mit den bildlichen Beschreibungen des Autors für eine gute Möglichkeit, das Flanieren am Brandenburger Tor lebendig zu machen. Die Protagonisten überzeugen mit ihrem eigenen Charme und sind gleichsam in ihrer bewegenden und zum Teil sogar verstörenden Vergangenheit jeder ein Unikat, die auch nicht so einfach zu durchschauen sind.

Lediglich die politischen Hintergründe hätten für mich gerne nicht so viel Platz in dem historischen Krimi einnehmen müssen, doch irgendwie sind diese auch wieder eng verbunden mit dem eigentlichen Handeln, was eine klare Abgrenzung schwierig gemacht hätte, doch diese Informationen langweilten mich, was sie allerdings auch im Geschichtsunterricht schon taten, deswegen will ich dem Autor da mal keine Vorwürfe machen. 😉

Rund 120 Jahre sind Ottos Abenteuer her, doch Tim Pieper hat uns ohne Mühe einen abwechslungsreichen Roman vorgesetzt und veranschaulicht, dass diese Zeit auch über einigen Unterhaltungswert verfügt.

Die Titelseite aus der Berliner Gerichtszeitung, die im vorderen Teil abgedruckt ist, möchte ich noch gerne erwähnen, da diese kleinen Details ein Buch immer zu etwas Besonderem machen und erst so richtig auf die jeweilige Epoche einstimmen. Allerdings würde ich mir vom emons Verlag wünschen, dass die Lücken zwischen den einzelnen Kapiteln etwas größer wären, da ich gleich darauf folgende Kapitel als störend empfinde.

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