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Archive for Januar 2012

„Kennen Sie das, wenn man ein Buch so gut findet, dass man jeden Tag nur ein paar Seiten liest, weil man nicht will, dass es zu Ende geht? So ging es mir mit der Antwort auf Ihren Brief.“

 
Welche Frau würde sich von diesen Zeilen nicht geschmeichelt fühlen? Die Wirkung bei dem Adressaten dieser romantischen Zeilen erfüllt in jedem Falle diese Vermutung und lässt das Herz bei uns Leser(innen) ein bisschen höher schlagen. 😀

Gegenüber der Inhaltsangabe hatte ich zuerst ein bisschen Bedenken, weil ich außer bei Cecilia Ahern sonst einen Bogen um Liebesgeschichten mache, weil sie mir zu kitschig sind und man meist schon nach wenigen Seiten weiß, dass zum Schluss ein schmalziges Happy End auf uns wartet.
Bei „Herz an Herz“ hat mich der ungewöhnliche Stil in Brief- bzw. E-Mail und Sms-Form aber neugierig gemacht und ich habe mich gerne auf die gefühlvolle Reise von einer Hamburger Psychologin und einem Münchener Versicherungskaufmann eingelassen, die als harmlose Brieffreundschaft beginnt.

Über das Autorenduo (von amazon.de):

Sofie Cramer, geboren 1974 in Soltau, studierte Germanistik und Politik in Bonn und Hannover. Inzwischen lebt und arbeitet sie als freiberufliche Journalistin, Drehbuchautorin und Trainerin in Lüneburg und Hamburg. „SMS für dich“ ist ihr dritter Roman, den sie jedoch unter einem Pseudonym veröffentlicht – auch weil sie darin eigene Erfahrungen niedergeschrieben hat.

 
Sven Ulrich, geboren 1965 in Berlin, hat an der «Hochschule für Fernsehen und Film» in München studiert und für zahlreiche Fernsehsender und Produktionsgesellschaften gearbeitet. Heute schreibt er Drehbücher für verschiedene TV-Formate. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Zum Inhalt:
Sara ist Mitte dreißig und frisch geschieden, doch die Ereignisse, die in jüngster Vergangenheit zum Scheitern ihrer Ehe geführt haben, wünscht sich niemand, sodass sie sich vor Kummer und Wut vor dem anderen Geschlecht verschlossen hat. Ihr Glaube an die Männerwelt hat sehr gelitten und Vertrauen ist ein Wort, dass sie aus ihrem Wortschatz vorerst gestrichen hat. Auf der Hochzeit einer guten Freundin sieht sie sich dann auch noch konfrontiert mich zahlreichen glücklichen Paaren und für Sara bleibt nur noch der nervige Tischnachbar, der sich mit seinen dummen Sprüchen schnell selbst ins Abseits katapultiert. Vom Alkohol berauscht, schickt sie eine Flaschenpost los mit einem Hilferuf für einen Ausweg aus ihrer trostlosen Lage.
Das Unglaubliche geschieht und kurz darauf flattert tatsächlich eine Antwort in ihre Wohnung – von dem charmanten Berti..

Meine Meinung:
Die Geschichte klingt bis hierhin wie ein Märchen und wird von den Autoren auch toll in Szene gesetzt. Das Herzklopfen, was die beiden während des Schreibens der teilweise tiefgründigen oder aber ironischen Zeilen spüren, war beinahe hörbar und die kribbelige Vorfreude während des Wartens auf die ersehnte Antwort des Brieffreundes macht auch vor den Lesern nicht halt.
Die Annäherung der beiden, die zuerst hinter einem Schild aus Humor versteckt wird, bröckelt zusehends und es ist wirklich niedlich, wie das zarte Band der Liebe sich auch über fast 800 km aufbauen kann.
In diesem Roman sucht man eindimensionale Charaktere vergebens, denn das harmonische Cover aus blau und rosa Tönen gibt nur einen kleinen Einblick in die chaotische Beziehung von zwei Menschen, die mit bayerischer Herzlichkeit und nordischer Kühlheit in manchen Dingen sehr verschieden sind.

Den Erfolg der authentischen Erzählperspektive hat das Buch sicherlich der unterschiedlichen Rollenverteilung des Autorenduos zu verdanken. Sofia Cramer wird hierbei sicherlich den Part der Sara übernommen haben und Sven Ulrich hat hingegen Berti sein Gesicht geliehen.
Die typischen Reaktionen von Mann und Frau sind meiner Meinung nach glaubhaft dargestellt worden und hätten von einem Autoren alleine bestimmt nicht den gleichen Effekt gehabt.
Berti ist zum Beispiel nach einigen Briefwechseln Feuer und Flamme und brennt auf ein Treffen mit seiner Herzdame, doch Sara ist da eher etwas zurückhaltender, obwohl ihr Charakter recht schlagfertig und keineswegs schüchtern ist.
Saras leichte Unsicherheit bezüglich eines voreiligen Treffens wird jede Frau, die schon einmal mit dem Gedanken an ein Blind Date oder eine Verabredung mit einer Bekanntschaft von sogenannten Partnerbörsen im Internet gespielt hat, nur zu gut verstehen können. Denn wer verbirgt sich hinter dem netten Unbekannten, den das Herz so gut zu kennen scheint und man aber doch völlig ahnungslos ist?

Von einer Geschichte wie Sara sie erlebt hat, träumt im Laufe eines Lebens wahrscheinlich jede unglückliche Single-Frau und „Herz an Herz“ ist eine Hommage an die einsamen Seelen dieser Welt, die beweist, dass man die Hoffnung auf einen Traumprinzen, der auf einem Pferd angeritten kommt bzw. via Brief Kontakt aufnimmt, nicht aufgeben darf.
Wäre ich nicht glücklich vergeben, würde ich glatt einen Selbstversuch starten und eine Flaschenpost auf den Weg zu meinem Glück schicken. 🙂

Taschenbuch: 320 Seiten

Verlag: rororo (1. Februar 2012)

ISBN Nummer: 978-3499256653

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Über den Autor (von amazon.de):

Jörgen Bracker studierte in Marburg, Kiel und Münster Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Vor- und Frühgeschichte. Von 1976 bis zum Ende des Jahres 2001 leitete er als Direktor und Professor das Museum für Hamburgische Geschichte. Seit der von ihm 1989 in Hamburg und Rostock präsentierten Ausstellung „Die Hanse – Lebenswirklichkeit und Mythos“ galt sein besonderes Augenmerk der durch Seeraub und wirtschaftlichen Niedergang gekennzeichneten Krise der Hansezeit um 1400.
Er ist außerdem Ehrenmitglied der Deutschen Seefahrtsgeschichtlichen Kommission (DSK), Ehrenmitglied des Vereins der Freunde des Museums für Hamburgische Geschichte und Mitglied der Hamburger Autorenvereinigung (HAV

Zum Inhalt:

Eine Bootstaufe ist eigentlich ein freudiger Anlass, um mit dem ganzen Dorf den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt zu feiern und vor lauter Stolz über das eigene Hab und Gut fast zu platzen. Für „Flosse“ liegt aber ein dunkler Schatten über diesem Tag, denn Nonnenwort, der ihm das restliche Geld für das Boot geliehen hat, verkündet ohne Absprache mit dem jungen Mann, die Verlobung mit seiner Tochter, die auch Namenspatin für den Kutter sein durfte – dabei hat er sein Herz schon einer anderer Frau geschenkt.
Am Pfingstmontag treibt dann der leblose Körper von Flosse ans Ufer – mit einer großen Schusswunde am Kopf. Hat sich der Schwiegervater in Spe für die Schmach gerächt?

Die Vorboten des Ersten Weltkrieges sind leider schon allgegenwärtig. So führen Doktor Wittenborg, als ehrenamtlicher Helfer der Polizei, die Ermittlungen zu dem mysteriösen Mord immer wieder zu dem neu gegründeten Wehrverein in Dithmarschen und Umgebung, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut, da ein Großteil der Bevölkerung den zunehmenden Anteil an polnischen Arbeitern in Schleswig Holstein und die daraus resultierenden multikulturellen Hochzeiten mit Schrecken und Hass begegnen. Doch würden die Mitglieder so weit gehen und die stumme Elsbeth, die Geliebte des toten Fischers, ebenfalls töten? Gefundene Verse, die an die Saga der Nebelbraut angelehnt sind, wie die junge Krabbenfischerin gerne verhöhnt wird, lassen Schlimmstes vermuten und sie bleibt spurlos verschwunden.

                                         „Tanze, schöne Nebelbraut,
                                          Tanze, bis der Morgen graut!“

Meine Meinung:

Die Geschichte rund um die Ermordung des Jungfischers ist nicht der Fantasie des Autors entsprungen, sondern hat sich so bzw. ähnlich tatsächlich im Jahre 1911 abgespielt. Auf den letzten Seiten unter der Überschrift „Wahr oder wahrscheinlich“ bekommen wir von Herrn Bracker auch noch einen guten Überblick über die realen Begebenheiten, was diesen Krimi dadurch auch so authentisch macht.

Obwohl wir in „Hinter der Nebelwand“ nach Schleswig Holstein reisen, hält sich der Autor mit Plattdeutschen Dialogen zurück, was ich aber keineswegs negativ anmerken möchte, sondern im Gegenteil sehr begrüße, da der Leserhythmus wahrscheinlich sonst für uns „Landratten“ häufig unterbrochen worden wäre. Der Charme der Region und die Wildheit des Meeres kommen trotzdem sehr gut zur Geltung und der Titel ist wahres Programm im Verlauf der Handlung. Neben diversen Erläuterungen zu den Bootstypen und Landwirtschaftsgeräten, die unsere Generation nur noch aus Museen oder Berichten von Großeltern kennen, bildet die Natur und die wunderschön raue Landschaft, die meistens durch den dichten Nebel nur verschwommen gesehen wird,  einen sehr guten Rahmen.

Auf den Mordfall müssen wir Leser zwar 100 Seiten warten, doch langweilig wurde es bei der Einleitung und Vorstellung der Charaktere nicht, weil sie in ihren Träumen und Eigenarten dort gut beleuchtet wurden, um uns (gemeinsam mit dem Doktor) eine notwendige Basis bei der Tätersuche zu geben.

Rasante Verfolgungsjagden sucht man bei diesem historischen Krimi vergeblich, deshalb sollte man sich von der geschickten Ermittlungen der Personen begeistern lassen und sich an dem einmaligen Gemüt der Dithmarscher erfreuen, das von einem waschechten Nordlicht perfekt in Szene gesetzt wird. Lassen Sie sich von Herrn Bracker in die Zeit vor dem großen Sturm der Nationalsozialisten entführen und genießen sie einen Krimi, der auf andere Weise überzeugt, als die blutrünstigen Serienkiller-Pendants.

Gebundene Ausgabe: 414 Seiten

Verlag: Wachholtz; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2011)

ISBN Nummer: 978-3529045257

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Über die Autorin (von amazon.de):

Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet mittlerweile als freie Lektorin und Autorin. Schon in ihren ersten beiden Romanen «Tod im Beginenhaus» und «Mord im Dirnenhaus» löste die Apothekerstochter Adelina mit Scharfsinn und Dickköpfigkeit Kriminalfälle im mittelalterlichen Köln.

Zum Inhalt:

Ein Traum ist für Luzia wahr geworden, denn ihr Brotherr verbringt mit seiner Familie und dem Gesinde den kalten Winter in den Mauern eines schönen, warmen Stadthauses, mitten im belebten Koblenz. Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Anton, der einzige noch lebende Verwandte nach der furchtbaren Pest, hat sie bei der ehrwürdigen Familie von Manten nicht nur gütige Arbeitgeber, sondern auch Freunde gewonnen.
Das vorbestimmte Leben als Bäuerin ist so fern wie nie zuvor und als sie von Martin Wied, einem bekannten Weinhändler, auf Grund ihrer verblüffenden Rechenkunst gebeten wird auf dem Markt den Gewürzstand zu leiten, lernt sie eine vollkommen neue und durchaus schmackhafte Welt kennen.

Luzia hat daraufhin mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen, denn eine unverheiratete Gehilfin mit ihrem rechnerischen Fähigkeiten und dazu noch ihr liebliches Aussehen sorgt für Unmut unter der Konkurrenz und schon bald kursieren die absurdesten Gerüchte über sie und ihre Absichten bezüglich des angesehenen Kaufmanns Wied, die das ohnehin schon anstrengende Leben der aufstrebenden Gewürzhändlerin noch unnötig erschweren. Glücklicherweise stehen ihre Freunde immer schützend vor ihr und an Selbstbewusstsein mangelt es der Leibmagd auch nicht, doch bei einem Mann bekommt sie dennoch weiche Knie. Diese heftige Reaktion ihres Körpers kann Luzia allerdings nicht richtig einordnen, denn Zuneigung verspürt sie zu dem von hässlichen Narben gebrandmarkten Kaufmann keineswegs. Zudem zeigt ihr silbernes Kreuz, eine sagenhafte Reliquie aus alten Zeiten, eine unheimliche Reaktion in seiner Gegenwart, die nichts Gutes verheißen mag – oder doch?

Meine Meinung:

Diese Kreuz-Reliquie hat von Anfang an mein größtes Interesse auf sich gezogen, denn geheimnisvolle Gegenstände, die dazu noch ihrem Träger eine spezielle Gabe verleihen, ziehen mich immer in den Bann. Die Reliquie besteht aus drei Teilen, die vor 150 Jahren unter Freunden mit einem Eid auf ewige Unterstützung und Hilfe getrennt wurde. Luzia und Elisabeth sind Nachkommen dieser Männer und hüten das Geheimnis des Kreuzes, welches bei Gefahr anfängt sacht zu vibrieren oder auch, trotz des Metalls, sehr warm werden kann. Der Zauber des Schmuckstücks bleibt für uns Leser genauso vage wie für die Beteiligten und so schwebt immer etwas rätselhaftes über der Geschichte.

Besonders unterhaltsam waren die zahlreichen Sticheleien und Dispute von Luzia und Martin, weil beide einen ausgesprochenen Dickkopf haben und sich die junge Händlerin keinesfalls als geborene Bauerntochter den Mund verbieten lassen will. Sie steht zu ihrem ungezügelten Temperament und obwohl sie von Gräfin Elisabeth von Manten in allen höfischen Disziplinen unterrichtet wurde, fällt er ihr manchmal schwer, sich vor Unrecht zu verschließen und ihr teilweise loses Mundwerk unter Kontrolle zu haben. Normalerweise werden mir zu aufbrausende Charaktere schnell unsympathisch, doch Petra Schier hat die rothaarige Edelmagd so zauberhaft beschrieben, dass jeglicher Gedanke in diese Richtung vollkommen unnötig war und spätestens wenn Luzia vor Scham errötet, hat man sie in das Herz geschlossen. Mit Martin hat sie jedenfalls einen ebenbürtigen Gesprächspartner gefunden und schließlich sagt das alte Sprichwort nicht umsonst „Was sich liebt, das neckt sich.“. 😉

Bei historischen Romanen habe ich es schon häufiger erlebt, dass durch die nötigen Erklärungen zu den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie geschichtlichen Eckdaten viele Längen die Handlungen durchziehen ohne das nennenswerte Ereignisse die Leser fesseln könnten; dies ist auch der Grund warum ich meist nicht zwei Bücher aus diesem Genre nacheinander lese, weil mich die beschriebenen Passagen meist langweilen und ich eine Abwechslung brauche. Doch Petra Schier hat mich eines besseren belehrt und gezeigt, dass ein historischer Roman auch mit 544 Seiten  ohne Ausnahme spannend sein kann und schon allein dafür verdient „Die Gewürzhändlerin“ fünf Sterne und damit die volle Punktzahl.

Eines möchte ich auch noch positiv anmerken, denn der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, da die Autorin nicht zu stark den Ton der Zeit imitieren wollte und die Dialoge dadurch sehr erfrischend waren. Durch die schönen Beschreibungen des Jahrmarktes sowie die beschwerlichen Reisen zu Pferde wurde aber trotzdem die Atmosphäre des Mittelalters überzeugend übermittelt. Mit Gewürzen kann man mich als begeisterte Köchin sowieso locken und viele Spezereien, die für uns heute selbstverständlich sind, waren früher teurer Luxus. Einige (für mich) überraschend moderne Ansätze bei der Handelszunft werden im Nachwort noch einmal erklärt, wodurch man das Gefühl bekommt, dass Petra Schier mit viel Hingabe und Freude an der gründlichen Recherche gearbeitet hat.

Ich finde es schade, dass Luzias Abenteuer schon vorbei ist und „Die Eifelgräfin“, der Vorgänger zu „Die Gewürzhändlerin“ steht nun ganz oben auf meiner Wunschliste, denn die kleinen Andeutungen zu Luzias Leben als Bauerntochter und die Begegnung mit ihrer Herrin Elisabeth haben mich sehr neugierig gemacht. Sie sind trotz ihres Standesunterschieds sehr vertraut miteinander und verstehen sich blind, sodass ich auf die Anfänge ihrer tiefen Freundschaft gespannt bin.

Taschenbuch: 544 Seiten

Verlag: rororo; Auflage: 2 (1. Dezember 2011)

ISBN Nummer: 978-3499256288

Vielen Dank an Petra Schier und den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Ja mei da ist der nächste Fall scho vorbei.

Zum Inhalt:
In Landshut und Umgebung sind alle in heller Aufregung, denn ein Psychopath konnte aus dem Gefängnis mit einem äußerst perfiden Plan entkommen und wird auf seiner Flucht von Rachegedanken bezüglich des werten Herren Richter Moratschek getrieben, der ihm eine Haftstrafe von 15 Jahren eingebrockt hat. Die Polizeiinspektion (PI) Landshut nimmt die Sorgen des verängstigten Mannes allerdings nicht ernst, denn die erste Warnung (eingekratzt in das Eis auf der Frontscheibe) hat sich sozusagen in Dampf aufgelöst als die Kollegen eintreffen und ein Schweinskopf im richterlichen Ehebett verschwindet genauso mysteriös wie er gekommen ist. Franz ist die letzte Hoffnung für den panischen Bekannten und nimmt sich etwas widerwillig der Sache an.

Meine Meinung:

Der Kriminalfall nimmt bei „Schweinskopf al dente“ im Gegensatz zu den Vorgängern einen größeren Teil ein, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Eberhofers durch das Asyl des Richters ebenfalls in das Visier des Täters gelangen und Franz aktiv werden muss. Der Leser darf sich also auf ein paar Spannungsmomente freuen, die man in diesem Ausmaß bei den anderen Provinzkrimis etwas missen könnte.

Durchweg begeistert bin ich von diesem Buch trotzdem nicht, was vermutlich daran liegt, dass ich einen Tag vorher das urkomische Hörbuch zu „Dampfnudelblues“ gehört habe und der Nachfolger im direkten Vergleich etwas schwächelt. Vom Cover ist wiederum dieses mein klarer Favorit und der Schweinskopf lächelt genauso selig, wie ihn die Autorin auch beschreibt.

Im Verlauf der Handlung brechen beinahe alle Bewohner des beschaulichen Dorfes nach Italien auf, um die Susi aus den Fängen des Machos zu befreien, allerdings wirkt die ganze Situation selbst für Niederkaltenkirchen-Verhältnisse zu überspitzt und nicht mehr glaubhaft. Hinzukommt der ständige Drang des Papas nach seinem Hanf und er verteidigt seine Kifferhöhle (das Wohnzimmer) sogar mit einer Waffe, was nach einiger Zeit (für meine Begriffe) nicht mehr so lustig war.

Dafür hat sich Franz weiterentwickelt – er ist noch grantiger geworden und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Bei dem dienstlichen Besuch einer türkischen Familie gibt er alles und so übt die Autorin auf lustige Weise Kritik an der Einstellung der Türken zu Zwangshochzeiten und verhöhnt ihre Vorliebe für Pfefferminz-Tee, dass es nur so kracht. Sehr korrekte oder pingelige Leser könnten sich an der „Türken-Szene“ stören oder sie sogar als fremdenfeindlich abtun, doch wir kennen unseren Franz und wissen, dass er es nicht so ernst meint, was er sagt und in der Realität herrscht sowieso noch ein ganz anderer Ton, dagegen ist der Franz ein friedliches Lämmchen. 🙂

Ich vermisse den Franzl jedenfalls jetzt schon und hoffe, dass der Nachfolger nicht lange auf sich warten lässt und die Geschichte dann aber wieder ausschließlich in Bayern spielt, denn so ein Ausflug ist zwar amüsant, kann aber mit den Eigenarten der Dorfbewohner und dem gemütlichen Saustall nicht mithalten.

Die Rezepte im Anhang sehen wieder sehr köstlich aus und lassen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der Kartoffelsalat der Oma wird bei uns sicherlich auch bald auf den Tisch kommen und deshalb verabschiede ich mich für heute mit einem Zitat:

„Wenn ich meine Todesart einmal selber bestimmen könnte, würd ich gern in der Oma ihrer Biersoße ersaufen.“ 😀

Taschenbuch: 240 Seiten

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (17. November 2011)

ISBN Nummer: 978-3423248921

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„Winterkartoffelknödel“, der erste Teil um Franz Eberhofer, war im letzten Jahr eine meine größten Buchüberrraschungen und da war es nur eine Frage der Zeit, bis mich auch der „Dampfnudelblues“ infizieren sollte. Deshalb stand ich kurz darauf mit einem Hörbuch (dazu noch im Angebot 😉 ) an der Weltbild-Kasse und konnte den Besuch in Niederkaltenkirchen kaum erwarten. 🙂

Zum Inhalt:
Der Inhalt ist schnell erzählt. Höpfl, Direktor der ortsansässigen Realschule, ruft Kommissar Eberhofer zu einer Schmiererei an seiner Hauswand, die eine klare Stellung bezieht und wenig Interpretationsspielraum lässt. Nur tags darauf ist der Höpfl mausetot, doch niemand scheint dem unbeliebten Oberhaupt der Schule nachzutrauen – selbst die Höpfl-Schwester reagiert mehr als gefasst und viele geben freimütig zu, dass sie ihm auch mehrmals den Tod an den Hals gewünscht hätten. Damit hat Eberhofer zwar jede Menge Verdächtige und ist trotzdem keinen Schritt weiter.

Zu allem Übel gibt es auch noch Streit mit der Susi und Leopold, Franz‘ ungeliebter Bruder, nutzt ihn nur zu gern als Babysitter für die kleine (S)Uschi und schwebt mit Ehefrau Nummer 3 auf Wolke sieben.

Meine Meinung:
Meine Entscheidung für das Hörbuch habe ich keine Sekunde bereut, denn Christian Tramitz glänzt nicht nur als Schauspieler an der Seite von Bully & Co., sondern ist auch als bayerischer Dorfpolizist in einem Hörbuch eine Top-Besetzung.

Die Betonung der ersten Worte „Stirb du Sau“ ließ mich aufhorchen und von da an gebannt folgen – er hat mich praktisch schon nach der ersten Spielminute überzeugt.

Ohne Mühe erweckt er das beschauliche Dorf mit all seinen skurrilen Charakteren zum Leben und verleiht dem Sarkasmus von Franzl noch einen speziellen Biss. Gelegentliche Wutausbrüche des Protagonisten spielt Tramitz sehr glaubhaft und auch das sonnige Gemüt der netten Großmutter kommt prima zur Geltung, was die Personen sehr authentisch werden lässt.

Die bayerische Mundart gehört zwar nicht gerade zu meinen Lieblingsdialekten, trotzdem würde ich jedem zum Kauf des Hörbuchs ermuntern, da der Humor der Autorin so noch gesteigert werden kann und wir Hörer uns selbst wie Bayern fühlen können, die sich beim Wolfi in der Kneipe nach dem verdienten Feierabend noch ein Bierchen gönnen.
Der Mordfall ist auch hier eher nebensächlich und mit der Gemächlichkeit des Hauptakteurs, gepaart mit einigen Stolpersteinen der öffentlichen Stellen, braucht es eine gewisse Zeit ehe Schwung in die Ermittlungen kommt. Franz hat aber gute Freunde, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen und seine schnoddrige Art geduldig aushalten, diese Szenen entschuldigen für Vieles und deshalb vergebe ich erneut fünf Sterne an das Erfolgsduo Rita Falk und unseren (im Kern) lieben Franzl.
Eberhofers dritter Fall „Schweinskopf al dente“ steht natürlich auch schon in meinem Regal, allerdings wieder in Buchform und ich bin gespannt, ob meine Begeisterung nach diesem Hörerlebnis noch gesteigert oder wenigstens bestehen bleibt.

Verlag: Der Audio Verlag, Dav (20. Mai 2011)

4 CDs

ISBN Nummer: 978-3862310456

Meine Rezension zu „Winterkartoffelknödel“ ist übrigens hier:

https://gurkeliest.wordpress.com/2011/07/31/winterkartoffelknodel-von-rita-falk/

Dort steht dann auch etwas zu der Autorin. 🙂

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Über die Autorin (von amazon.de):

Kerstin Pflieger wurde 1980 in eine Surferfamilie hineingeboren. Durch Reisen an die Küsten Europas, Afrikas und Asiens lernte sie unterschiedliche Kulturen und Denkweisen kennen. Nach dem Abitur studierte sie Biologie in Heidelberg und arbeitet unter anderem für ein Institut zur biologischen Stechmückenbekämpfung. Kerstin Pflieger lebt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn.

Zum Inhalt:

Dunkle Wolken schweben über dem Heidelberg des 18.Jahrhunderts und sie sind stille Vorboten von dramatischen Ereignissen, die Icherios Ceihn schon bald am eigenen Leib erfahren muss.
Voller Vorfreude verlässt er das beschauliche Karlsruhe, um in der Stadt das lang ersehnte Medizin-Studium zu beginnen und in der Hoffnung eigene Nachforschungen zum Tod seines verstorbenen Freundes Vallentin anzustellen, da Icherios immer noch Schuldgefühle deswegen quälen. Der junge Gelehrte ist von den Lernmethoden allerdings sehr ernüchtert, denn unliebsame Dozenten warten nur darauf ihre Stellung auszunutzen und vermitteln schon längst überholten Lernstoff. Ein Glück fordern den mutigen Helden seine privaten Experimente mehr, denn neben seinen ganzen Problemen wartet der Srigoi in seinem Inneren nur darauf Besitz über seinen Körper zu nehmen, was dieser natürlich mit einem Zaubertrank verhindern will.

Meine Meinung:

Seit einiger Zeit schon habe ich das Genre Fantasy für mich entdeckt und Kerstin Pflieger hat meine Augen mit einer Vielzahl an Fabelwesen zum Leuchten gebracht! Statt sich auf eine Art zu konzentrieren, werden wir Leser mit Vampiren, Werratten, Nixen und einigen anderen magischen Kreaturen konfrontiert, die in ihren Eigenarten beinahe liebevoll von der Autorin charakterisiert wurden – so knabbert zum Beispiel Franz, die Werratte, permanent an Nüssen herum und Maleficium, Icherios unsterbliche Ratte, ist ein wahrer Schatz, den wünsche ich mir ebenfalls als Begleitung . 😀
Die magische Atmosphäre ist allgegenwärtig und wird durch düstere Schatten mit ganz und gar nicht friedlichen Absichten und Alchemisten-Weisheiten noch verstärkt.
Besonders gestaunt habe ich über den ausdrucksstarken Schreibstil einer Neu-Autorin, schließlich ist es erst das zweite Werk der gebürtigen Westfälin und das merkt man keineswegs.

Zwei kleine Kritikpunkte muss ich dann aber doch noch nennen, denn streckenweise wurde Icherios viel zu oft mit „der junge Gelehrte“beschrieben, was auf einigen Seiten regelrecht nervte und da es  noch genügend andere Alternativen gibt auch unnötig war. Das Ende bekommt von mir auch keine Höchstpunktzahl, da es zu „mainstream“ ist und der ansonsten lobenswerten Phantasie von Kerstin Pflieger so nicht gerecht wird.

Oft wird kritisiert, dass in einer Reihe um einen Protagonisten die Folgebände schwächer werden und nicht an den grandiosen ersten Teil anknüpfen können und obwohl ich „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ noch nicht gelesen habe, weiß ich definitiv, dass das nächste Abenteuer von Icherios wieder in meinem Regal stehen wird und bei so einem tollen zweiten Band mache ich mir da auch keine Sorgen!

Taschenbuch: 480 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag (19. Dezember 2011)

ISBNummer: 978-3442476794

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Über den Autor (von amazon.de):

Christian Ankowitsch, geboren 1959 in Klosterneuburg bei Wien, lebt als freier Journalist und Buchautor mit seiner Familie in Berlin. Nach ersten Stationen in den Kulturredaktionen von «Falter» und «Standard» arbeitete er von 1993 bis 2001 für «Die Zeit», wo er zuletzt das Ressort «Leben» leitete. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u. a. die Bestseller «Dr. Ankowitschs Kleines Konversationslexikon» (2004), «Dr. Ankowitschs Kleines Universalhandbuch» (2005) und «Dr. Ankowitschs Kleiner Seelenklempner». Seit März 2011 moderiert Christian Ankowitsch das Literaturmagazin «les.art» im ORF.

Meine Meinung:

Ich kann nicht schlafen..
Wenn ich jetzt nicht einschlafe, dann bin ich morgen total müde und kann mich nicht konzentrieren..
In fünf Stunden muss ich aufstehen, ich muss jetzt also wirklich mal einschlafen..
Ich bin immer noch wach.
Ein Schäfchen, zwei Schäfchen, drei Schäfchen.. – es klappt einfach nicht, dabei will ich doch unbedingt einschlafen!!! 😦

Wer hat diesen kleinen aber nervigen Monolog nicht selbst schon einmal mit sich geführt, wenn die Nacht immer weiter voranschreitet, aber der körperlich Zustand mehr an völligen Tatendrang nach drei Tassen Kaffee erinnert, als an Müdigkeit?
Auch Christian Ankowitsch kannte dieses Problem nur zu gut, bis er einmal den Tipp bekam, dass der Körper genau das Gegenteil von dem macht, was man eigentlich möchte. Denkt man abends im Bett nun permanent an das Reich der Träume, wird dem Gehirn dadurch sozusagen übermittelt, dass das Einschlafen in dem Moment das Schlechteste überhaupt ist und um jeden Preis verhindert werden muss. Dieser Zustand ist vergleichbar mit dem ominösen blauen Elefanten, an den sie bitte jetzt auf keinen Fall denken dürfen!


Die Macht der Gedanken ist also nicht zu unterschätzen und da gibt es noch viele weitere Ungereimtheiten, in die unser Körper die Ahnungslosen unter uns gnadenlos in die Falle tappen lässt. Denn wieso sonst sollte ein Schild mit der Aufschrift „Frisch gestrichen“ in uns den übermenschlichen Wunsch auslösen, gerade diese neue glänzende Fläche partout zu berühren? Ich persönlich habe bei diesem Punkt im Buch vehement mit dem Kopf geschüttelt, weil ich der Meinung bin diesem Alter entwachsen zu sein und viel eher Kinder dem Wunsch nicht widerstehen können. Der Autor hat aber einige Beobachtungen bzw. Zeugenberichte beschrieben, die auch „vernünftige“ Erwachsene diesem Verhalten überführten. Sollte die Maler also vielleicht lieber ein Schild mit „Bitte hier anfassen“ aufhängen?

Munter geht es in diesem Stil à la „Mach’s falsch und du machst es richtig“ weiter und in sieben Kapiteln wird der Leser durch paradoxe Reaktionen unserer Spezies geleitet, die zum Teil bekanntes Wissen auf andere Weisen beleuchten, aber auch viele neue und interessante Aspekte offenbaren. Für dieses umfangreiche Nachschlagewerk von Phänomenen, die uns alltäglich begegnen, dennoch aber weitestgehend unerkannt bleiben, war mit Sicherheit viel Arbeit erforderlich und geht teilweise tief in wissenschaftliche bzw. medizinische Bereiche.
Um die Leser damit nicht zu überfordern, hat Herr Ankowitsch sich bemüht durch einen lockeren Erzählstil uns behutsam an die Materie heranzuführen, was ihm aber nicht immer optimal gelungen ist. Manche Passagen waren mir persönlich zu überladen mit Zitaten aus ähnlichen Werken oder fachlichen Ausführungen und waren dadurch zu verschachtelt und in die Länge gezogen, um ununterbrochen gebannt folgen zu können, was das Lesen eher anstrengend gemacht hat. Dieses Buch sollte man daher nicht an einem Stück lesen, sondern am besten kapitelweise genießen, weil sonst zu viele Informationen auf einmal verarbeitet werden müssen.
Ein großer Pluspunkt bekommt die Aufforderung auf den ersten Seiten ganze vier Kapitel weiter zuspringen und diesen Inhalt zuerst zu lesen, da es den gut strukturierten Ablauf auflockert.

Mir hat das Buch gefallen, doch wegen einiger kleiner Schwachstellen kann ich nicht die Höchstpunktzahl vergeben, sondern ziehe 1,5 Sterne ab, was zu einem Endergebnis von 3,5 Sternen führt.

Diese Rezension mag vielleicht etwas ungewöhnlich sein und , doch ein außergewöhnliches Buch ruft eben auch nach einer etwas anderen Buchbesprechung.

In diesem Sinne:

Ich will unbedingt noch wach bleiben und darf auf keinen Fall einschla.. *schnarch* 😉

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten

Verlag: Rowohlt Berlin; Auflage: 2 (1. November 2011)

ISBN Nummer: 978-3871347115

Bildquelle (blauer Elefant): http://thumbs.dreamstime.com/thumblarge_371/12362601092rA083.jpg

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Mark Twain sagte einst „Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein.“

Francesc Miralles zeigt uns in „Retrum“, dass diese Behauptung des verstorbenen Schriftstellers nicht unbedingt allgemeingültig ist und es sehr wohl eine kleine Gruppe von Jugendlichen gibt, die nur zu gern auf den Spuren von Verstorbenen wandelt.

Über den Autor (vom http://www.newspanishbooks.de):

Francesc Miralles (Barcelona, 1968) ist Autor und Journalist, mit den Schwerpunkten Psychologie und Spiritualität. Zu seinen bereits veröffentlichten Titeln gehören der Jugendroman „La vida es una suave quemadura“, (Edebé 2006), der Roman „Amor en minúscula“, (Vergara 2005), der in sechs Sprachen übersetzt wurde, sowie die Bestseller-Thriller „El cuarto reino“, (MR 2007) und „La profecía 2013“ (MR 2008).

Zum Inhalt:

Seitdem Chris sich für den tragischen Tod seines Zwillingsbruders verantwortlich macht, lebt er immer zurückgezogener und neben der Schule verlässt er sein Zimmer nur für seine häufigen Besuche auf dem Dorf-Friedhof, wo er für ein paar Stunden abschalten kann.

Als es ihn eines Tages wieder dorthin zieht, wird er von drei blass geschminkten Jugendlichen überrascht, die ihm deutlich machen, dass es ihr Revier ist und er besser verschwinden sollte. Doch so leicht lässt sich Chris nicht vertreiben und durch den Mut des Fremden beeindruckt, beschließen die Drei ihn in ihre Gruppe aufzunehmen, sofern er es schafft eine Nacht in der Kälte auf dem Friedhof zu verbringen.

Dass Jugendliche in ihrem Leben meistens irgendwelche verrückten oder waghalsigen Dinge tun, die sie später bereuen, ist nichts Neues, doch Chris‘ neue Freunde haben ein Hobby, was Eltern wohl nicht mehr ruhig schlafen lassen würde. Sie klettern nachts über Friedhofsmauern und schlafen dort auf Gräbern, um sich mit den Toten zu verbrüdern und Antworten auf ihre sehnlichsten Fragen zu bekommen. Diese Ausflüge werden für sie zur Normalität, die sie jedes Mal mit dem „Ritual der Blässe“ beginnen, schließlich sind es nicht die toten Seelen, die sie fürchten müssten, sondern eine lebendige Gefahr, die dort im Dunkeln auf sie wartet, doch davon ahnen sie noch nichts.

Meine Meinung:

Francesc Marilles hat dem Leser mit dem düsteren Quartett Charaktere geschaffen, bei denen jeder Leser sich bestimmt mit einem der Mädchen und Jungen identifizieren kann. Alexia ist die schöne und mutige Anführerin, die von allen wegen ihrer geheimnisvollen Aura umschwärmt wird. Dagegen steht Robert mit seiner einfühlsamen und hilfsbereiten Art, Lorena, die aufbrausende Persönlichkeit und zu guter Letzt Chris, der einstige Einzelgänger mit einem Drang zur Melancholie, der zwischen der Liebe zu zwei Mädchen hin und hergerissen ist.

Die Aufmachung des Buches stimmt schon toll auf den düsteren Inhalt ein, denn der Buchschnitt ist komplett schwarz eingefärbt und auf den Seiten sind ebenfalls noch dunkle Flecken gedruckt. Viele melodramatische Lieder und Zitate bilden einen guten Rahmen für die ohnehin schon düstere Handlung und da eigene Erfahrungen des Autors aus seiner wilden Jugend in das Buch eingeflossen sind, habe ich die Abenteuer der Clique mit großer Neugierde verfolgt.

Für mich war dieser Ausflug auf verschiedene Friedhöfe sehr spannend, da die Ruhestätten für unsere Verwandten bei jedem unterschiedliche Gefühle hervorrufen und die (Toten-)Stille entweder sehr bedrückend oder befreiend sein kann. Dennoch fehlt mir der gewisse Reiz und der unbedingte Wunsch eine Fortsetzung zu lesen, da „Retrum“ auch gut als eigenständiges Buch funktionieren würde. Ich kann den Hype aus Miralles Heimat daher nicht vollkommen verstehen und werde Chris‘ Geschichte wahrscheinlich nicht weiter verfolgen, denn diese kann aus meiner Sicht nur schwächer werden – doch ich lasse mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Für rebellische Pubertierende, die gerne so frei und ungezwungen leben würden wie die Vier und dem Schutz des Elternhauses entfliehen möchten, hat Miralles genau den Kern getroffen und dank eines jugendlichen Schreibstils und kurzer Kapitel kann man das Buch leicht an einem Tag schaffen!

Vielen Dank an den Loewe Verlag und Lies&Lausch für das Vorab-Leseexemplar!

Broschiert: 345 Seiten

Verlag: Loewe Verlag; Auflage: 1 (Januar 2012)

ISBN Nummer: 978-3785570388

 

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Über die Autorin (von amazon.de):

Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre psychologischen Spannungsromane sind internationale Bestseller, zuletzt eroberte der Roman Das andere Kind einmal mehr den Spitzenplatz der SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 17 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Verfilmungen werden im Fernsehen mit enorm hohen Einschaltquoten ausgestrahlt. Zuletzt verfilmt wurde Das andere Kind von Urs Egger mit hochkarätigen deutschen und englischen Schauspielern wie Marie Bäumer, Hannelore Hoger, Fritz Karl und Clemens Schick. Die Verfilmung wird 2012 in der ARD ausgestrahlt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.

Zum Inhalt:

Die Neugierde ist ein menschliches Bedürfnis und es ist nur natürlich, dass wir immer gerne auf dem neuesten Stand darüber sein wollen, was die Menschen aus unserer Nachbarschaft den ganzen Tag so tun. Samson Segal übertreibt es aber mit seinen Beobachtungen, die für den Arbeitslosen schon fast zu einer Sucht geworden sind. Er lebt gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Frau in seinem Elternhaus, unweit von Gillian – Samsons Objekt der Begierde.

Kurz darauf wird die Leiche von Clara in ihrer Wohnung gefunden. Ihre Tochter berichtet, dass die Frau seit einiger Zeit Angst davor hatte, beobachtet zu werden und nun starb sie unter merkwürdigen Umständen. Ist der friedliche Samson ein brutaler Mörder und noch mehr Frauen dadurch in Gefahr oder deckt der Fall viel dunklere Schatten der menschlichen Seele auf?

Meine Meinung:

Bei einem Krimi von sagenhaften 650 Seiten kann man natürlich nur schwer erwarten, dass die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite gleich bleibend hoch ist und so ist es nicht verwunderlich, dass sich das erste Drittel des Buches teilweise etwas in die Länge gezogen hat und die Handlung noch etwas stagnierte. Charlotte Link wäre aber nicht eine begnadete Krimi-Autorin, wenn nicht selbst bei diesem eher schwachen Einstieg unterschwellig das gewisse Etwas mitschwingt, was mich doch neugierig auf den Verlauf der Handlung machte.

Wie die Polizei hatte ich nämlich auch keinen geeigneten Täter auf dem Radar, wodurch die Täter-Frage lange ungeklärt bleibt und jeden zu einem potenziellen Killer macht. Bei der Auflösung war ich dann genauso schockiert wie alle Beteiligten und bin wieder einmal von diesem tollen Gespür für 1A Nervenkitzel begeistert!

Zudem hat mich die winterliche Stimmung prima auf das nahende Weihnachtsfest eingestimmt, denn – im Gegensatz zu dem verregneten und viel zu warmen Dezember in Berlin – in Thorpe Bay und Umgebung herrschte ein gnadenloser Winter und obwohl der Schein der friedlichen Winterwelt täuscht, war dieser Krimi genau die richtige Lektüre für diese Jahreszeit.

Es gibt zwar bessere Bücher der Autorin, aber entgehen lassen sollte man sich „Der Beobachter“ trotzdem nicht. Schließlich kann man sich immer noch in den Sog von Links tollem Schreibstil ziehen lassen und sich an den authentischen Charakteren erfreuen. 🙂

Taschenbuch: 656 Seiten

Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (3. Dezember 2011)

ISBN Nummer: 978-3442367269

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Über den Autor (von vorablesen.de):

Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Dorset, Großbritannien, auf. Nach seinem Abschluss in Englischer Literatur an der Universität von Lancaster arbeitete er als Buchhändler und in einer Bibliothek in Oxford. Sein Debüt „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ war ein großer Überraschungserfolg und wurde in 18 Sprachen übersetzt. Gerade hat Ali Shaw seinen zweiten Roman beendet.

Zum Inhalt:

Der jungen Ida passiert etwas Unglaubliches, denn nachdem sie von ihrem Urlaub auf St. Hauda’s Island nach Hause zurückkehrte, verwandelte sich ihr Zeh plötzlich zu Glas und es scheint immer weiter zu wandern. Sie erinnert sich an die Begegnung mit dem Einsiedler Henry Fuwa, der ihr mit einer – durch den Alkohol unbedachten – Bemerkung Hoffnung auf Heilung machte und so kehrt Ida auf die Insel zurück und trifft einen jungen Mann, der ihr Herz auf eine Weise berührt, wie sie es nicht für möglich gehalten hätte. Kann das Glas aufgehalten werden und Ida wieder glücklich sein?

Meine Meinung:

Ali Shaw hat mich mit seinen Worten von der ersten Seite verzaubert und berührt mit der zarten Annäherung von Ida und Midas bestimmt auch den größten Liebesmuffel!

Der Fotograph Midas kam mir, obwohl er schon erwachsen ist, in seiner unsicheren Art und den meist stotternden Antworten auf Idas Fragen, wie ein kleiner Junge vor, der von seiner ersten Liebe vollkommen überfordert ist. Dagegen war Ida in ihrer schwierigen körperlichen Situation ein wahrer Sonnenschein, die ihre Sorgen hinter einem herzlichen Lächeln versteckte und sich mehr um Midas Wohl kümmerte, als um ihr eigenes.

Als Leser spürt man genau, wie ihre Beziehung langsam wächst und ein zartes Band der Vertrautheit zwischen ihnen gesponnen wird, was aber von Carl, einem Freund von Idas verstorbener Mutter, nur zu gerne zerstört werden würde.

Dem jungen Liebespaar läuft durch Idas gläserne Füße die Zeit davon und schon bald rückt die Gewissheit immer näher, dass man sich besser die Taschentücher parat halten sollte.

Der Autor konzentriert sich aber nicht nur auf die zwischenmenschlichen Kontakte, sondern beschreibt auch eine Landschaft, die in jedem, der schon einmal eine Kamera in der Hand gehalten hat, den Wunsch wachsen lässt zu einer monochromen (schwarz-weiß) Fototour auf die malerische und zugleich seltsame St. Hauda’s Island zu wandern.

Als Kinder haben wir die Märchen mit ihren unglaublichen Fabelwesen akzeptiert und uns nicht eine Sekunde gefragt, was für eine logische oder wissenschaftliche Erklärung hinter ihnen stecken, doch mit dem Alter wollen wir alles hinterfragen und deshalb bin ich etwas traurig, dass Ali Shaw uns mit einem offenen Ende und der eigenen Phantasie zurückgelassen hat.

Mit Kinderaugen gesehen vergebe ich daher fünf Sterne und in meinem Alter vier Sterne, was zusammen 4,5 Sterne macht. 🙂

Bei diesem Buch kommt man auch nicht umhin die wunderschöne Gestaltung zu erwähnen, was bei dem eisigen und dennoch edlen Cover beginnt und sich bis zum silbernen Buchschnitt durchzieht.

Es besteht kein Zweifel, dass Ali Shaw mit diesem Debut den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere als Autor gelegt hat und da ist es nur beruhigend zu wissen, dass sein zweites Werk soeben unter dem genauso märchenhaften Originaltitel „The man who rained“ veröffentlicht wurde.

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten

Verlag: Script5 (Januar 2012)

ISBN Nummer: 978-3839001318

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